ohne Titel
Ich nahm eine Schere und bevor ich sie an die Wand schmetterte, durchschnitt ich das Telefonkabel. Das Handy zerstörte ich mit einem Satz und den Fernseher warf ich vom Balkon. Ich biss in die Fernsehzeitung und schmiss den Rest in den Kamin. Im Regal fand ich den Ordner mit der Aufschrift „wichtige Dokumente“, aus dem ich ein Zeugnis herauszog, welches der Fernsehzeitung auf schnellstem Wege folgte. Ich dachte an den Abischnitt, der viel besser hätte sein können, an nicht erfüllte „To-do-Listen“, an ungenutzte Tage, an all die verschlafenen Morgende. „Du kannst es besser“ hatten sie gesagt, allesamt, trau dich, hab keine Angst; herauslocken wollen sie einen und dann gibt es kein Zurück mehr. Nichts da. Ich WILL nicht. Ich will NICHT. Keine Aussicht auf Erfolg. Kein Ausschauhalten nach Möglichkeiten, nach einer Sprosse! Jedes kleinste Zertifikat und Zeugnis hätte ich zerfetzt, hätte ich sie alle doch jemals erlangt. Aber ich tat es nicht. Doch all das was ich hatte zerriss ich, ich spuckte darauf und warfs ins Feuer. Fahr hin, lammherzige Gelassenheit! Ein Kissen, das mir in die Hände fiel, wurde zum Schläger. Die Couch schrie um Hilfe, Stühle fielen, Scheiben zerbrachen. Klirr, und ratsch. Rums. Da hast dus! Da seht ihrs! Nichts ist aus mir geworden, und ich bin glücklich damit! Federn flogen durch die Luft. Meine Hände wirbelten umher, ergriffen alles, sobald sie es fassten und ließen es sofort wieder los. Schlugen mit dem einen aufs andere. Zerschmetterten, zerstörten, warfen und ließen nichts zurück. Ich atmete tief. Worte kamen aus meinem Mund, die ich nicht kannte. Ich hörte mit einem Mal all den Lärm, den ich verursacht und zuvor ausgeblendet hatte in einer einzigen Sekunde. Dann war es still. Ich stand inmitten einer Wiese. Um mich her nichts als eine große, grüne Freiheit. Langsam ließ ich mich nieder und ertastete das frische, weiche Gras. Die Blumen, die beschädigt worden waren, richtete ich vorsichtig wieder auf, sie waren bunt und dufteten. Da verdunkelte sich der Himmel und es begann ganz leise zu regnen. Ein Tropfen nach dem anderen fiel, es wurden immer mehr, bis sich ein Strom über mir ergoss. Ich tanzte im Regen. Der Regen tanzte fort. Die Sonne trocknete meine Haut. Dann trug ein Adler mich fort und meine Haare wehten im Wind.

1 Comments:
s isch mägagäil gsi.
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