Wednesday, July 21, 2010

Aufatmen Teil II

Mein Weg zur Haltestelle ist immer der gleiche. Ich gehe nie anders, weil es anders keinen Sinn macht, es gibt keine Variationen. Ich passiere immer die selben Häuser, kenne die Bäume und Sträucher und weiß, wo nach dem Winter der schnee am längsten liegen bleibt.
Es ist interessant zu beobachten, wer in diesem Jahr den Zaun streicht, den Garten umgräbt, oder die Garage ausrümpelt. Wenn die Knospen hervorkommen und alles beginnt zu blühen, ist es ein leichter Übergang, zwischen den Blüten und dem Grün, kaum zu bemerken.

Es ist ähnlich wie im Garten unter dem Kirschbaum entlangzulaufen und plötzlich in ein tiefes Meer von Summen und Surren eingetaucht zu werde, woran man sich gerade erst gewöhnt hat, wenn das Weiß dem Grün weicht.
Es ist doch alles fremd, der letzte Frühling so lange her, dass man nicht mehr weiß, wie es war und manches, geschieht es auch Jahr ein Jahr aus, schon wieder vergessen hat. Als würde man ein anderes Leben führen in dieser Zeit, geht man leichter durch die Straßen, schauender, lauschender.

So gelange ich denn zur Haltestelle und fahre in die Stadt und überall erschreckt mich beinahe die eine, nun aufkommende und bald vorherrschende Farbe. Ich laufe durch die Einkaufsstraßen und sehe die großen bepflanzten Töpfe, an denen Menschen vorbei laufen, die Blumen streifend.
Ich sehe auf die Uhr und mir fällt ein, dass auch ich dazu gehöre. So gehe ich schneller, flitze rasch über die Bahnschienen, frage mich, ob ich das Gesicht, welches eben in Eile an mir vorbei flog, kannte.
Mir fallen die Vögel ein. Ich bleibe stehen und sage:
"Er ist noch jung und frisch! Wenn wir ihn erschrecken, wird er... vielleicht wird er nicht wieder kommen." Doch es hört mich keiner.

1 Comments:

Blogger Karsten Matthias said...

miraaaa, du rufer in der wüste!!!

11 August, 2010 12:27  

Post a Comment

<< Home