Orte von Natur und Schönheit
Jeder Mensch hat ständig neue Erlebnisse. Manchmal sind sie geplant, wie
zum Beispiel ein Ausflug, und manchmal sind sie völlig unvorhersehbar. Sie geschehen manchmal aus Dummheit, manchmal dauern sie lang, oder kurz, manchmal sind sie gut, oder schlecht.
Ich hatte heute ein Erlebnis.
Eigentlich sind ja alles Erlebnisse, wenn ich hier sitzte und schreibe, ist es ja auch eines.
Simon und ich waren heute alleine, weil unsere Eltern, unsere Schwester und unser Schwager nach Hamburg zu unserer Oma gefahren sind.
Wir sind schön brav zum Gottesdienst gefahren, und danach haben wir was gegessen.
Ich habe um 13:20 den Fernseher angemacht und Asterix und Cleopatra geguckt, Simon hat mitgeguckt.
Danach sind wir beide auf der Couch eingeschlafen, ein halbes Stündchen.
Als ich mich wieder aufgerafft hatte, bin ich hochgegangen, ich hatte noch dies und das zu erledigen, aber ich wollte noch nicht so recht.
Simon wurde dann abgeholt und ist mit einigen zu einem Gottesdienst in das Dorf M. gefahren.
Ich habe mir gedacht, ich sollte mich etwas bewegen und dazu aufraffen vor meiner Krimskramserledigung etwas Fahrrad zu fahren.
Ich zog meine Schuhe an, und hatte vor die Strecke zu nehmen, die ich vor kurzem schoneinmal genommen hatte, 25 Minuten.
Ich ging durchs Haus um zu sehen, ob alles zu war, denn ich musste Zeit schinden, um genau um 16:50 losfahren zu können, damit ich sehen konnte, wielange ich brauchte.
Ich wartete noch eine halbe Minute in der Küche und ging raus.
Noch während ich die Tür schloss kam mir fogender Gedanke:
Ohne Schlüssel kommt man nicht wieder rein.
Wumm.
Ich kam mir schon sehr dumm vor.
Ich fuhr den Berg hoch zum Wald, den Weg T. und auf mir lastete ein Gefühl von Groll und Saurigkeit auf mich selbst.
Ich weiß nicht mehr wann genau mir das Ausmaß dieses kleinen Fehlers bewusst wurde, aber ich rechnete damit, dass Simon vielleicht gegen acht Uhr kommen würde, und ich war mir sehr wohl darüber im Klaren, dass bis dahin einfach noch drei Stunden vergehen mussten.
Mir begegneten viele Leute auf dem Weg, mit Fahrrad, Fuß und Auto.
Einmal kam mir ein Paar entgegen und ich habe gedacht:
Einer der beiden hat einen Schlüssel!
Meine Enttäuschung legte sich irgendwann.
Es musste gewesen sein zwischen dem Zeitpunkt, als ich am Wald ankam und dem, als ich, den Waldrand entlang gefahren, überlegte in den Wald einzubiegen, nur zu dem See, der in 100 Metern kommen musste.
Ja, es war schon weg, bevor ich einbog.
Es war schon weg, die Enttäuschung, die Wut, ich hörte nämlich Vögel zwitschern, jede Menge Vögel. Ich hörte Kuhglocken läuten, ich hörte Bäume rauschen und ich sah.
Ich sah den blauen, den strahlend blauen Himmel, die klaren, weißen Wolken, und die Bäume, die vielen Bäume.
Ich fuhr nur kurz zum See und kam bald wieder zurück.
Ich blieb erneut stehen und dachte mir, anstatt geradeaus runter zu sausen, wie ich es vorhatte und in fünf Minuten zu Hause zu sein, könnte ich doch einfach mal sehen, was sich dort links im Wald verbirgt.
Ich fuhr eine scharfe Rechtskurve, den Weg entlang und blieb nach 100 m stehen.
Mein ganzes Inneres verspürte unheimlich große Lust, einfach spazieren zu gehen.
Ich wollte laufen, mit meinen Füßen, und mir vorstellen, wie es früher dort aussah.
Ich stieg ab. Und ich ging.
Ich ging sehr langsam, und hörte die Vögel, ich hörte die ganze Natur.
Es war wunderbar. Ich ging weiter, schaute ab und zu zurück, zum Fahrrad,
und ich lief auf einem Baumstamm entlang, ich machte kehrt und ging zum Fahrrad.
Ein spontaner Impuls ließ mich einfach weiterfahren, den Weg entlang, nur sehen, wo die nächste Kurve kommt.
Dann entschloss ich mich, nicht so schnelll wieder umzudrehen, sondern ein wenig in den Wald reinzufahren.
Ich hatte am Anfang auch Leute dort lang gehen sehen, es war ein breiter Schotterweg, nicht irgendwas irgendwo weit weg.
Es kamen einige Linkskurven, zwei, drei vielleicht auch nur eine.
Dann ging ein matschier Weg rechts ab, und ich sah, dass nicht so weit entfernt Licht hinter den Bäumen zu sehen war. Ich stand dort also, und überlegte, ob ich vielleicht mal sehen sollte, was dahinter ist.
Ich wollte sowie so nicht mehr weiter fahren immer nur nach links, den Berg hinauf.
Da kam mir ein Fahrradfahrer entgegen, ich kannte ihn, aus der Schule, und um nicht so dumm rum zu stehen, fuhr ich drei Meter weiter.
Ich drehte und fuhr langsam zu dem kleinen Weg, um nicht die einzige Stelle zu verpassen, an der man ohne die Pfütze überqueren zu müssen dort passieren konnte.
Es ging berab, dicke Reifenspuren waren deutlich, viele Zweige und einige große Äste lagen auf dem Weg, ich habe gedacht, wie es wohl ist, wenn man auf der Flucht ist und durch den Wald über alle Berge davon läuft.
Dann war ich dort, am Ende des Waldes, ich fuhr durch einige Brennnesseln, was zu verhindern mir nicht gelungen war, und stand dort.
ich stand an diesem Ort. Dieser Ort, dieser kleine Fleck kam mir so merkwürdig vor!
Ja! Er war es würdig, bemerkt zu werden!
Im rechten Winkel zu meinem Weg war ein breiterer, ein Schotterweg,
an seiner einen Seite, mir gegenüber, zwei Meter, war ein Weizenfeld.
Es lag ungefähr zu 8 Metern im Schatten der großen Bäume des Waldes, und wurde dann von der goldenen Sonne angestrahlt.
Es ging ein wenig spitz nach hinten zu, rechts und links schräg von Baumreihen abgetrennt, die die Grenze zu neuen Feldern bildeten.
Dahinter lag ein zweiter Weg, dann wieder ein Feld, ein großer einzelner Baum, ein Feld.
Ich wusste nicht wo ich war, ich war noch nie vorher an diesem Ort, ich war noch nie vorher in jenem Teil des Waldes, und ich bin noch nie vorher jenen Weg gefahren.
Ich war bisher immer nur an den selben Stellen gewesen.
Ich hätte rechts herunter fahren müssen, das war klar, aber klar war nicht, wo ich dann heraus kam, ich wollte auf jeden Fall nicht wieder den selben Weg zurück fahren, sondern wenigstens sehen, wo der weitere Weg nach rechts mich hinführe.
Etwas aber bewegte mich dazu, nach rechts zu fahren, eine scharfe Linkskruve zu machen und den Weg hinter dem Feld für einige Meter zu verfolgen.
Ich hatte nun zu beiden Seiten Weizenfelder.
Etwas weiter am Wegrand, rechts, stand ein Baum.
Ich war nun auf der andern Seite des Feldes und blickte hinüber zum Wald.
Ich fuhr weiter, der Baum lag zehn Meter hinter mir.
Dieser Ort sprach so sehr von Natur, von Ruhe.
Und ich dachte bei mir: hier fühlt man sich wohl. Doch mir fiel auf, dass ich mich nicht wohl fühlte.
Ich konnte nicht. Wo ist die Natur? fragte ich mich. Ich fühle mich nicht wohl.
Ich war gebunden, gebunden an meinen Schlüssel.
Gebunden an mein Fahrrad.
Es war ein wundervoller Ort. Aber vielleicht so wundervoll, dass ich mich dort nicht wohl fühlen konnte.
Ich kehre um, zu dem Baum.
Wenn ich zu meiner Rechen den Wald und zu meiner Linken den Baum hatte, dann sah ich schräg links, ganz weit dort hinten, die Stadt.
Ich schaute mir die Blätter des Baumes an. Direkt daneben, war ein anderer Baum, ein kleinerer, junger, mit den selben Blättern, und ich dachte: in dreißig Jahren, werden zwei solcher Bäume stattlich nebeneinander stehen.
Da sah ich nach rechts hinüber über mein Feld, zu meinem Wald, und erblickte einen Hund.
Dem Ort war das Magische genommen.
Denn mir war bewusst, dass darauf ein Mensch folgen musste.
Ein Pärchen kam hinter der Baumgruppe hervor, und für diesen Augenblick, zunmindestens für diesen Augenblick, war dem Ort das Magische genommen. Ich schaute mir wieder den Baum an und hörte bald etwas menschliches, es waren die Schritte eines Joggers, der den eben erwähnten Weg langlief.
Der Ort war nicht mehr so verlassen, wie er mir erschien, als ich ihn zum ersten Mal, aus dem Wald kommend, erblickte.
Es war plötzlich ein allerwelts-Ort, den viele kannten. Aber was war mit mir?
Ich war auf dem Fahrrad. Joggen, laufen, Hunde - Fahrrad.
Entgegen meiner Planung machte ich erneut kehrt und fuhr den Weg weiter-also nicht in Richtung zu Hause.
Wieder am Baum vorbei, dahinter war eine Wiese, ein pattes Feld, auf dem diese großen Heuballen standen.
In der goldenen Sonne.
Die Grillen zirpten, ein dauerhaftes, wunderbares Geräusch.
Ich wollte weiter fahren, denn ich hatte das Gefühl, dass ich dort
einen Rundumblick haben würde, ohne irgenwelche Häuser und Dörfer.
Nach einigen Metern, nach der Wiese auf der rechten Seite, kam eine Baumreihe nach rechts, eine Baumreihe nach links, hier war das Grillenkonzert besonders stark.
Danach befanden rechts sich nun erneut Bäume und links eine Wiese.
Der Weg machte eine Biegung nach rechts, ich blieb stehen.
Hinten rechts war das Dorf S. zu sehen. Dahinter bewaldete Berge.
Doch wenn ich mich nun so hinstellte, nur auf die Wiese zu blicken,
dann sah ich Bäume, Gras, Sträucher, Wald; Himmel, Wolken, Sonne.
Sonst nichts.
Zäune! Ja, das war mir gar nicht aufgefallen, Zäune durchkreuzten den Flur.
Aber sie störten den Anblick nicht im Geringsten,
es waren dicke, dunkelbraune Holzpfähler, alle zwei oder drei Meter. 160
Wunderschön.
Ja, dachte ich, ja, so könnte es vor zweihundert Jahren ausgesehen haben.
So hätte ich hier sitzen können, hoch zu Ross.
Diese Gedanken atmete ich tief ein.
Das Schnauben meines Pferdes untermalt von dem Grillengezirp,
das unter den Bäumen wieder särker wurde, dann plötzlich kaum noch, dann wieder mehr.
Doch ich ritt nicht, ich fuhr, fuhr den Weg wieder zurück bis ich wieder am Waldrand angelang war.
Ich bemerkte, dass mir das Licht anders und der Schatten mehr vor kam, der sich auf dem Feld ausbreitete.
Doch ich fuhr dann weiter.
Es ging bald rasch bergab auf einem geteerten Weg, von dem ich noch nicht wusste wo er mich hinführen würde, ich bog nach rechts, und erblickte das Paar mit seinem Hund. Ob sie mich auch wiedererkannten, als ich an ihnen vorbeifuhr?
Nun war ich wider auf dem Weg, oder eher auf der Straße, die ich ursprünglich hatte nehmen wollen, bevor ich, ihr erinnert euch, nach dem See links in den Wald bog.
Ich war nun wieder in der Welt. ein Auto überholte mich.
Ich war etwas sauer und dachte, bei dem nächsten Auto sollte ich einfach mitten auf der Straße weiterfahren, doch das tat ich nicht.
Nach fünfundsechzig Minuten war ich wieder zu Hause angekommen, ich
hörte viele Stimmen, Musik, Autotüren, Motorengeräusche.
Das gefiel mir nicht besonders gut, doch ich schnitt den Merschweinchen Gras, ließ C. und T.K. in das verlängerte Gehege und schaute ihnen beim Fressen zu.
Ihre ständigen Nagegeräusche, ihre Tapsfüße, ihre Unterhaltungen waren beruhigend und ich fühlte mich wohl.
Mir war bewusst, welch wunderbare und einzigartige Zeit mir mein Schlüssel beschert hatte.
zum Beispiel ein Ausflug, und manchmal sind sie völlig unvorhersehbar. Sie geschehen manchmal aus Dummheit, manchmal dauern sie lang, oder kurz, manchmal sind sie gut, oder schlecht.
Ich hatte heute ein Erlebnis.
Eigentlich sind ja alles Erlebnisse, wenn ich hier sitzte und schreibe, ist es ja auch eines.
Simon und ich waren heute alleine, weil unsere Eltern, unsere Schwester und unser Schwager nach Hamburg zu unserer Oma gefahren sind.
Wir sind schön brav zum Gottesdienst gefahren, und danach haben wir was gegessen.
Ich habe um 13:20 den Fernseher angemacht und Asterix und Cleopatra geguckt, Simon hat mitgeguckt.
Danach sind wir beide auf der Couch eingeschlafen, ein halbes Stündchen.
Als ich mich wieder aufgerafft hatte, bin ich hochgegangen, ich hatte noch dies und das zu erledigen, aber ich wollte noch nicht so recht.
Simon wurde dann abgeholt und ist mit einigen zu einem Gottesdienst in das Dorf M. gefahren.
Ich habe mir gedacht, ich sollte mich etwas bewegen und dazu aufraffen vor meiner Krimskramserledigung etwas Fahrrad zu fahren.
Ich zog meine Schuhe an, und hatte vor die Strecke zu nehmen, die ich vor kurzem schoneinmal genommen hatte, 25 Minuten.
Ich ging durchs Haus um zu sehen, ob alles zu war, denn ich musste Zeit schinden, um genau um 16:50 losfahren zu können, damit ich sehen konnte, wielange ich brauchte.
Ich wartete noch eine halbe Minute in der Küche und ging raus.
Noch während ich die Tür schloss kam mir fogender Gedanke:
Ohne Schlüssel kommt man nicht wieder rein.
Wumm.
Ich kam mir schon sehr dumm vor.
Ich fuhr den Berg hoch zum Wald, den Weg T. und auf mir lastete ein Gefühl von Groll und Saurigkeit auf mich selbst.
Ich weiß nicht mehr wann genau mir das Ausmaß dieses kleinen Fehlers bewusst wurde, aber ich rechnete damit, dass Simon vielleicht gegen acht Uhr kommen würde, und ich war mir sehr wohl darüber im Klaren, dass bis dahin einfach noch drei Stunden vergehen mussten.
Mir begegneten viele Leute auf dem Weg, mit Fahrrad, Fuß und Auto.
Einmal kam mir ein Paar entgegen und ich habe gedacht:
Einer der beiden hat einen Schlüssel!
Meine Enttäuschung legte sich irgendwann.
Es musste gewesen sein zwischen dem Zeitpunkt, als ich am Wald ankam und dem, als ich, den Waldrand entlang gefahren, überlegte in den Wald einzubiegen, nur zu dem See, der in 100 Metern kommen musste.
Ja, es war schon weg, bevor ich einbog.
Es war schon weg, die Enttäuschung, die Wut, ich hörte nämlich Vögel zwitschern, jede Menge Vögel. Ich hörte Kuhglocken läuten, ich hörte Bäume rauschen und ich sah.
Ich sah den blauen, den strahlend blauen Himmel, die klaren, weißen Wolken, und die Bäume, die vielen Bäume.
Ich fuhr nur kurz zum See und kam bald wieder zurück.
Ich blieb erneut stehen und dachte mir, anstatt geradeaus runter zu sausen, wie ich es vorhatte und in fünf Minuten zu Hause zu sein, könnte ich doch einfach mal sehen, was sich dort links im Wald verbirgt.
Ich fuhr eine scharfe Rechtskurve, den Weg entlang und blieb nach 100 m stehen.
Mein ganzes Inneres verspürte unheimlich große Lust, einfach spazieren zu gehen.
Ich wollte laufen, mit meinen Füßen, und mir vorstellen, wie es früher dort aussah.
Ich stieg ab. Und ich ging.
Ich ging sehr langsam, und hörte die Vögel, ich hörte die ganze Natur.
Es war wunderbar. Ich ging weiter, schaute ab und zu zurück, zum Fahrrad,
und ich lief auf einem Baumstamm entlang, ich machte kehrt und ging zum Fahrrad.
Ein spontaner Impuls ließ mich einfach weiterfahren, den Weg entlang, nur sehen, wo die nächste Kurve kommt.
Dann entschloss ich mich, nicht so schnelll wieder umzudrehen, sondern ein wenig in den Wald reinzufahren.
Ich hatte am Anfang auch Leute dort lang gehen sehen, es war ein breiter Schotterweg, nicht irgendwas irgendwo weit weg.
Es kamen einige Linkskurven, zwei, drei vielleicht auch nur eine.
Dann ging ein matschier Weg rechts ab, und ich sah, dass nicht so weit entfernt Licht hinter den Bäumen zu sehen war. Ich stand dort also, und überlegte, ob ich vielleicht mal sehen sollte, was dahinter ist.
Ich wollte sowie so nicht mehr weiter fahren immer nur nach links, den Berg hinauf.
Da kam mir ein Fahrradfahrer entgegen, ich kannte ihn, aus der Schule, und um nicht so dumm rum zu stehen, fuhr ich drei Meter weiter.
Ich drehte und fuhr langsam zu dem kleinen Weg, um nicht die einzige Stelle zu verpassen, an der man ohne die Pfütze überqueren zu müssen dort passieren konnte.
Es ging berab, dicke Reifenspuren waren deutlich, viele Zweige und einige große Äste lagen auf dem Weg, ich habe gedacht, wie es wohl ist, wenn man auf der Flucht ist und durch den Wald über alle Berge davon läuft.
Dann war ich dort, am Ende des Waldes, ich fuhr durch einige Brennnesseln, was zu verhindern mir nicht gelungen war, und stand dort.
ich stand an diesem Ort. Dieser Ort, dieser kleine Fleck kam mir so merkwürdig vor!
Ja! Er war es würdig, bemerkt zu werden!
Im rechten Winkel zu meinem Weg war ein breiterer, ein Schotterweg,
an seiner einen Seite, mir gegenüber, zwei Meter, war ein Weizenfeld.
Es lag ungefähr zu 8 Metern im Schatten der großen Bäume des Waldes, und wurde dann von der goldenen Sonne angestrahlt.
Es ging ein wenig spitz nach hinten zu, rechts und links schräg von Baumreihen abgetrennt, die die Grenze zu neuen Feldern bildeten.
Dahinter lag ein zweiter Weg, dann wieder ein Feld, ein großer einzelner Baum, ein Feld.
Ich wusste nicht wo ich war, ich war noch nie vorher an diesem Ort, ich war noch nie vorher in jenem Teil des Waldes, und ich bin noch nie vorher jenen Weg gefahren.
Ich war bisher immer nur an den selben Stellen gewesen.
Ich hätte rechts herunter fahren müssen, das war klar, aber klar war nicht, wo ich dann heraus kam, ich wollte auf jeden Fall nicht wieder den selben Weg zurück fahren, sondern wenigstens sehen, wo der weitere Weg nach rechts mich hinführe.
Etwas aber bewegte mich dazu, nach rechts zu fahren, eine scharfe Linkskruve zu machen und den Weg hinter dem Feld für einige Meter zu verfolgen.
Ich hatte nun zu beiden Seiten Weizenfelder.
Etwas weiter am Wegrand, rechts, stand ein Baum.
Ich war nun auf der andern Seite des Feldes und blickte hinüber zum Wald.
Ich fuhr weiter, der Baum lag zehn Meter hinter mir.
Dieser Ort sprach so sehr von Natur, von Ruhe.
Und ich dachte bei mir: hier fühlt man sich wohl. Doch mir fiel auf, dass ich mich nicht wohl fühlte.
Ich konnte nicht. Wo ist die Natur? fragte ich mich. Ich fühle mich nicht wohl.
Ich war gebunden, gebunden an meinen Schlüssel.
Gebunden an mein Fahrrad.
Es war ein wundervoller Ort. Aber vielleicht so wundervoll, dass ich mich dort nicht wohl fühlen konnte.
Ich kehre um, zu dem Baum.
Wenn ich zu meiner Rechen den Wald und zu meiner Linken den Baum hatte, dann sah ich schräg links, ganz weit dort hinten, die Stadt.
Ich schaute mir die Blätter des Baumes an. Direkt daneben, war ein anderer Baum, ein kleinerer, junger, mit den selben Blättern, und ich dachte: in dreißig Jahren, werden zwei solcher Bäume stattlich nebeneinander stehen.
Da sah ich nach rechts hinüber über mein Feld, zu meinem Wald, und erblickte einen Hund.
Dem Ort war das Magische genommen.
Denn mir war bewusst, dass darauf ein Mensch folgen musste.
Ein Pärchen kam hinter der Baumgruppe hervor, und für diesen Augenblick, zunmindestens für diesen Augenblick, war dem Ort das Magische genommen. Ich schaute mir wieder den Baum an und hörte bald etwas menschliches, es waren die Schritte eines Joggers, der den eben erwähnten Weg langlief.
Der Ort war nicht mehr so verlassen, wie er mir erschien, als ich ihn zum ersten Mal, aus dem Wald kommend, erblickte.
Es war plötzlich ein allerwelts-Ort, den viele kannten. Aber was war mit mir?
Ich war auf dem Fahrrad. Joggen, laufen, Hunde - Fahrrad.
Entgegen meiner Planung machte ich erneut kehrt und fuhr den Weg weiter-also nicht in Richtung zu Hause.
Wieder am Baum vorbei, dahinter war eine Wiese, ein pattes Feld, auf dem diese großen Heuballen standen.
In der goldenen Sonne.
Die Grillen zirpten, ein dauerhaftes, wunderbares Geräusch.
Ich wollte weiter fahren, denn ich hatte das Gefühl, dass ich dort
einen Rundumblick haben würde, ohne irgenwelche Häuser und Dörfer.
Nach einigen Metern, nach der Wiese auf der rechten Seite, kam eine Baumreihe nach rechts, eine Baumreihe nach links, hier war das Grillenkonzert besonders stark.
Danach befanden rechts sich nun erneut Bäume und links eine Wiese.
Der Weg machte eine Biegung nach rechts, ich blieb stehen.
Hinten rechts war das Dorf S. zu sehen. Dahinter bewaldete Berge.
Doch wenn ich mich nun so hinstellte, nur auf die Wiese zu blicken,
dann sah ich Bäume, Gras, Sträucher, Wald; Himmel, Wolken, Sonne.
Sonst nichts.
Zäune! Ja, das war mir gar nicht aufgefallen, Zäune durchkreuzten den Flur.
Aber sie störten den Anblick nicht im Geringsten,
es waren dicke, dunkelbraune Holzpfähler, alle zwei oder drei Meter. 160
Wunderschön.
Ja, dachte ich, ja, so könnte es vor zweihundert Jahren ausgesehen haben.
So hätte ich hier sitzen können, hoch zu Ross.
Diese Gedanken atmete ich tief ein.
Das Schnauben meines Pferdes untermalt von dem Grillengezirp,
das unter den Bäumen wieder särker wurde, dann plötzlich kaum noch, dann wieder mehr.
Doch ich ritt nicht, ich fuhr, fuhr den Weg wieder zurück bis ich wieder am Waldrand angelang war.
Ich bemerkte, dass mir das Licht anders und der Schatten mehr vor kam, der sich auf dem Feld ausbreitete.
Doch ich fuhr dann weiter.
Es ging bald rasch bergab auf einem geteerten Weg, von dem ich noch nicht wusste wo er mich hinführen würde, ich bog nach rechts, und erblickte das Paar mit seinem Hund. Ob sie mich auch wiedererkannten, als ich an ihnen vorbeifuhr?
Nun war ich wider auf dem Weg, oder eher auf der Straße, die ich ursprünglich hatte nehmen wollen, bevor ich, ihr erinnert euch, nach dem See links in den Wald bog.
Ich war nun wieder in der Welt. ein Auto überholte mich.
Ich war etwas sauer und dachte, bei dem nächsten Auto sollte ich einfach mitten auf der Straße weiterfahren, doch das tat ich nicht.
Nach fünfundsechzig Minuten war ich wieder zu Hause angekommen, ich
hörte viele Stimmen, Musik, Autotüren, Motorengeräusche.
Das gefiel mir nicht besonders gut, doch ich schnitt den Merschweinchen Gras, ließ C. und T.K. in das verlängerte Gehege und schaute ihnen beim Fressen zu.
Ihre ständigen Nagegeräusche, ihre Tapsfüße, ihre Unterhaltungen waren beruhigend und ich fühlte mich wohl.
Mir war bewusst, welch wunderbare und einzigartige Zeit mir mein Schlüssel beschert hatte.

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